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Charter: Illuminierte Urkunden 1329-09-06_Bern
Signature: 1329-09-06_Bern
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1329-09-06, Avignon
Bischofsammelindulgenz (14 Aussteller) für die Habsburgergräber im Kloster Königsfelden:
Erzbischof Guillelmus von Bar (Antibarensis) sowie die Bischöfe Barontius von Pistoja (Pistoriensis), Johannes von Moray (Moraviensis), Angelus von Sulcis (Sulcitanensis), Pönitentiär des Papstes, Jordanus von Acerno (Acernensis), Johannes von Serbien (Serbiensis), Stephanus von Pharus (Farensis), Vinzenz von Nebbio (Nebiensis), Egidius von Ostuni (Ostunensis), Rudolfus von Cyzicus (Siriquensis), Meletius von Gallipoli (Gallipolitani), Rogerus von Bovino (Biviensis), Bonifatius von Sulcis (Sulcitani) und Madius von Duvno (Demitensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die für die Seelen der einstigen römischen Königin Elisabeth (domine Elizabeth quondam regine Romanorum), ihrer Söhne Leopold und Heinrich, vormals Herzoge von Österreich (Luipoldi et Henrici quondam ducum Austrie), deren Körper im in der Diözese Konstanz gelegenen Kloster Königsfelden (in monasterio Kunigsvelt, Constanciensis diocesis) ruhen, sowie für die Gesundheit von Agnes, der Tochter der vorgenannten Elisabeth und ehemals Königin von Ungarn (pro salubri statu domine Agnetis, filie dicte Elyzabeth, quondam regine Ungarie) , solange diese lebt, und für deren Seele, wenn sie gestorben ist, und für die Seelen aller verstorbenen Gläubigen ein Vater Unser mit einem Engelsgruss beten, eine Messe feiern oder feiern lassen, ein Totenamt, den Psalter oder die sieben Busspsalmen oder irgendein anderes Gebet sprechen oder sprechen lassen, die Almosen geben, die an den Jahrtagsmessen teilnehmen sowie jenen, die für die Seelen der genannten Personen oder eines einzelnen von ihnen einen Beitrag leisten.
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Bern, Burgerbibliothek, Cod. 814

14 Siegelschnüre und Reste von vier Siegeln noch erhalten.


  • notes extra sigillum
    • Vorderseite: auf der Plica sind die Namen der Siegler nach der Reihenfolge ihrer Besiegelung notiert; kein Bild der Rückseite vorhanden.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn und drei weitere vergrösserte Initialen mit Aussparungen vor farbigem Grund in den Binnenfeldern in der ersten Zeile. Im Textfeld vier vergrösserte einzeilige Initialen der gleichen Art.
  • Sechs Zeilen hohe historisierte Initiale zu Textbeginn: in Feder vorgezeichnet und Hintergrundflächen mit Farben ausgemalt (kolorierte Federzeichnung). Im Binnenfeld Christusbüste mit erhobenen Händen. Der Buchstabenkörper mit zwischen Farbflächen ausgesparter Blattranke, rechts oben ein Phantasietier. Der Buchstabe ragt nach links in den Rand hinaus, wobei die innere Begrenzung des linken Schaftbogens in etwa am Textspiegel ansetzt.
  • Stil und Einordnung: 
    Nach Homburger (ohne Angabe von Quellen 1957/58, S. 115) bleibt die Schrift „bis mindestens 1337 in Gebrauch“. Die Initiale folgt im Wesentlichen dem Entwurf vom 1328 Juni 7 für Léau, freilich mit grösserer Initialhöhe. Sogar das Mischwesen im oberen rechten Schaft ist abgewandelt übernommen worden. Dabei ist es hier wesentlich frecher eingesetzt: Aus seinem Schwanz wird der Rankenast, und seine Wendung hin zum Christuskopf, dem er die Zunge herauszustrecken scheint, spricht von besonderem Humor.
  • Gleichwohl handelt es sich nicht um denselben Ausführenden, sondern um Zeichner 3 der Christusbüsten aus der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen.
  • Hamburger (1998, S. 372 f.) schloss sich der Beurteilung von Homburger an, bei dem Ablass für die Habsburgergräber eine deutsche Buchmalerei aus der Gegend von Königsfelden vor sich zu haben. Angesichts des hier gesammelten Materials würde man das heute nicht mehr behaupten wollen.
  • Gabriele Bartz
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Comment

- kein Bild der Rückseite vorhanden.
Bibliography
Arenga (Incipit): Eterni patris filius ... .
Das Kloster Königsfelden wurde durch die Witwe des römischen Königs Albrecht I., Elisabeth, am Ort von dessen Ermordung (1308) im Jahre 1309 gegründet. Als Elisabeth 1313 starb, wurde sie im Kloster beigesetzt. Zwei der Söhne Albrechts und Elisabeths, Leopold (gest. 1326) und Heinrich (gest. 1327), wurden ebenfalls in Königsfelden bestattet. Die Tochter Albrechts und Elisabeths, Agnes, lebte von 1317 bis zu ihrem Tod 1364 in diesem Kloster, ohne jedoch ein Gelübde abzulegen. Für alle diese Personen soll – geht man nach der obigen Indulgenz – gebetet werden, wolle man einen Ablass von 40 Tagen erlangen.
Die Indulgenz hebt sich von Formular und Diktat doch merklich von der standardisierten Form der Sammelablässe ab, sei es aufgrund der selten in den Ablässen auftretenden Arenga mit dem Incipit: Eterni patris filius ... , oder aber auch aufgrund der Exklusivität, die dem Gebet und anderen frommen Werken für die Habsburgergräber und die noch lebende Agnes zukommt; es werden – anders als ansonsten üblich – keine bestimmten Ablasstage genannt, auch andere Ablassgelegenheiten wie Spenden für den Bau der Klosterkirche etc. werden komplett weggelassen. Ganz im Zentrum steht also das fromme Werk für die namhaften Bestatteten, deren Familie ein Naheverhältnis zum Kloster genoss. Da Spenden und sonstige Unterstützung für den Kirchenbau fehlen, ist anzunehmen, dass dieser Ablassbrief vor allem deswegen erbeten worden ist, um die Feierlichkeit der Einweihung der Klosterkirche (September 1330) zu erhöhen, wie bereits Homburger–von Steiger, Zwei Ablassbriefe in Bern, 1957, S. 140, bemerken. Vgl. dazu auch Moddelmog, Stiftungen, 2012, S. 125–129.
Für zwei weitere Ablässe mit ähnlichem Formular und Diktat vgl. die Stücke für drei englische Adelige (1331 Mai 9) und für die Herren von Ehestetten (1344 April 12).
Markus Gneiss
Places
  • Avignon
    • Type: Ausstellungsort
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • HRR
    • Type: Region
  • Königsfelden
    • Type: Empfängerort
  • Schweiz
    • Type: Region
Persons
  • Angelus von Sulcis
    • Barontius von Pistoja
      • Bonifatius von Sulcis
        • Egidius von Ostuni
          • Guillelmus von Bar
            • Johannes von Moray
              • Johannes von Serbien
                • Jordanus von Acerno
                  • Madius von Duvno
                    • Meletius von Gallipoli
                      • Rogerus von Bovino
                        • Rudolfus von Cyzicus
                          • Stephanus von Pharus
                            • Vinzenz von Nebbio
                              Keywords
                              • Illuminated Charters: Niveaus:
                                • N1: Initials
                                • N1: historiated
                                • N1: with Additional Colours
                                • N1: drawn
                                • N2: zoomorophic
                              • Illurk-Urkundenart:
                                • Bischofsammelindulgenz
                              • Glossary of illuminated charters (in German):
                                • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                                • Christusbüste
                                • Zeichner 3 der Christusbüsten
                                • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
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