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Charter: Illuminierte Urkunden 1347-01-12_Stuttgart
Signature: 1347-01-12_Stuttgart
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1347-01-12, Avignon
Bischofsammelindulgenz (12 Aussteller) für das Kloster Hirsau:
Die Erzbischöfe StephanusNicensis [?] und Johannes von Edessa (Edissiensis) sowie die Bischöfe PetrusSalaviensis, Johannes von Trebinje-Mrkanj (Tribuniensis), Paulus von Soazzo (Suacensis), Gregorius von Oppido (Oppidensis), Bertrandus von Ajaccio (Adiacensis), Benediktus von Mesched (Simiciensis), Johannes von Duvno (Delmitensis), Amedeus von Noli (Naulensis), Thomas von Knin (Tiniensis) und Augustinus von Destillarien (Distillariensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die die in der Diözese Speyer gelegenen Kloster[kirchen] der Apostel Petrus und Paulus sowie des Bekennerbischofs Aurelius in Hirsau (monasteria beatorum Petri et Pauli apostolorum et sancti Aurelii episcopi et confessoris in Hersauwe, Spirensis dyocesis) an bestimmten Festtagen und – soweit gegeben – in der jeweiligen Oktav reumütig und nach Ablegung der Beichte besuchen und dort an Morgen- und Abendmessen oder welchen Messfeierlichkeiten auch immer teilnehmen, und zwar an den Feiertagen der Patrone dieser Kloster[kirchen], zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und der Erscheinung des Herrn, am Karfreitag, zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, am Dreifaltigkeitstag, zu Fronleichnam, am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, am Feiertag des heiligen Erzengels Michael, an allen Marienfeiertagen, zu den Festen der Geburt und der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers, am Peter- und Paulstag, zu allen Apostel- und Evangelistenfesten, zu Allerheiligen, zu Allerseelen, an den Weihetagen der genannten Kloster[kirchen], an den Feiertagen des heiligen Stephan, des heiligen Laurenz, des heiligen Georg, des heiligen Aurelius des heiligen Martin, des heiligne Nikolaus, des heiligen Gregor, des heiligen Augustinus, des heiligen Ambrosius, des heiligen Hieronymus, der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Katharina, der heiligen Margarete und der heiligen Lucia. Weiters wird all jenen Ablass gewährt, die beim Abendläuten mit gebeugten Knien drei Ave Maria beten, die für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung der genannten Kloster[kirchen] aufkommen, die diesen Kloster[kirchen] entweder testamentarisch oder auf anderen Wegen Gold-, Silber- oder Kleidungsspenden zukommen lassen, die im Angesicht des Todes dort ihre Grabstätte wählen, die für Reinbot (Reynbotone), genannt Kese, Mönch und Kustos des Klosters in Hirsau (monacho et custode dicti monasterii), der die vorliegende Indulgenz erbeten hat, und für dessen Eltern Gebete sprechen.

1347 Juni 21, s. l.
Bischof Gerhard von Speyer bestätigt die obige Indulgenz und fügt weitere 40 Tage Ablass hinzu.
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Stuttgart, Landesarchiv Baden-Württemberg Hauptstaatsarchiv Stuttgart, H 52, U 14

ursprünglich zwölf an Seidenschnüren angehängt, davon sieben noch teilweise erhalten (rotes Wachs).Material: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Vermerke: Vorderseite: auf der Plica wurden die Namen der ausstellenden Bischöfe in der Reihe der Besiegelung notiert; kein Bild der Rückseite vorhanden.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn. Links ein stehender Heiliger, rechts am Rand zwei, in der von der Initiale ausgehenden Blattranke drei Heiligenbüsten. Drei weitere vergrösserte Initialen mit farbiger Binnenfeldfüllung mit Blattwerkaussparungen in der ersten Zeile. Vier farbig gefüllte, teils mit Aussparungen versehene vergrösserte einzeilige Initialen im Textblock; Versalien gelb angestrichelt.
  • Elf Zeilen hohe historisierte Initiale: mit der Feder gezeichnet und mit Rot, Blau, Grün, Schwarz, Ocker, Lila und Gelb koloriert. Im Binnenfeld stehende gekrönte Madonna mit Kind, das sich, mit einem Apfel(?) in der Hand, zum Beter nach rechts wendet; vor stahlblauem quadrierten Grund. Im rechten Schaft anbetend kniender Benediktinermönch mit Schriftband, bezeichnet: „Exaudi me clamantem ad te m(ate)r m(isericord)ie“. Die Buchstabenschäfte in Rot mit Fadenranke (Filigran) in Schwarz, die Zwickel des Initialfeldes in Grün mit aufgemalten Kreuzblüten. Oben über die gesamte Breite Ranke mit Halbfiguren: Aurelius, Petrus, Paulus; alle bezeichnet. Seitlich rechts stehende Figuren (Michael, einen Drachen tötend, und darunter Katharina mit Schwert und Rad, auf dem liegenden Maxentius, beide Heilige ebenfalls bezeichnet); links unter der Initiale stehender Jacobus mit Pilgerstab und -tasche. Links am Rand noch die Maleranweisung (?) in hellerer Tinte.
  • Stil und Einordnung: 
    Der Ablass für Hirsau ist besonders qualitätvoll illuminiert worden; vom Aufwand her als reicher Blattrankentyp mit dem älteren Rahmentyp zu vergleichen.
  • Die ikonographische Diversifizierung hat schon seit den frühen 1330er Jahren Madonnendarstellungen hervorgebracht, doch folgten diese mehr oder weniger einer variierten Vorlage. Seit dem Beginn der 40er Jahre, mit dem Eintritt eines oder mehrerer neuer Mitarbeiter in die Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen kann man eine Modernisierung auch bei den Marienfiguren feststellen, die eine Verlebendigung der Darstellung bedeutet. Weder der Faltenwurf noch Haltung des Kindes wird man zwei Mal gleich wiederfinden. Eine eng verwandte Madonnenfigur, bei der sich das Kind jedoch der Mutter zuwendet, findet sich 1347 März 6 für Weiczelsriet. Die Qualität der Ausführung beim Ablass für Hirsau kann man auch daran beobachten, dass das Kind sich in Haltung und Blickbeziehung dem im Schaft knienden Geistlichen zuwendet und ihn segnet. Die Figur des Petenten entspricht nicht der üblichen Vorlage, man stellte ihn deutlich als Benediktinermönch mit gut erkennbarer Tonsur dar. Dem im Text der Urkunde namentlich genannten Petenten Reinbot, genannt Kese, war es darüber hinaus daran gelegen, dass die dargestellten Heiligen auch durch Schrift identifizierbar sind, sonst würde man den als Bischof ohne spezielles Attribut dagestellten Aurelius, der zusammen mit Peter und Paul zu den Patronen von Hirsau gehörte, nicht erkennen können. Ikonographisch entsteht dadurch eine ungewöhnliche Reihe. Die stehenden Heiligen überzeugen durch eine so in der Werkstatt nicht gekannte Sorgfalt in der Wiedergabe der Attribute: Michael als Drachentöter ist noch nichts Besonderes, zuletzt hatte man den Erzengel – freilich nach einer anderen Vorlage gezeichnet – im Binnenfeld von 1342 April für Pusarnitz gesehen, doch Jakobus mit Pilgerhut, -stab und -tasche ist ausführlich geschildert: 1337 Juli 5 für St. Jakob zeigt ihn gerade mal mit einem Pilgerstab. Katharina ist am ausführlichsten gezeigt mit dem Schwert und dem Rad, welche auf ihr Martyrium hinweisen, und dem König zu ihren Füssen; dabei handelt es sich um Kaiser Maxentius, den sie durch ihren Glauben besiegte (damit weist sie auf die Skulptur André Beauneveus in Kortrijk voraus http://www.tento.be/OKV-artikel/andr%C3%A9-beauneveu-heilige-katharina).
  • Es sind über die Schattierungen in dunklerer Farbe festigende Linien auch bei den Akanthusblättern in schwarzer Tinte gezogen, was zur Ausdrucksstärke der Malerei entschieden beiträgt. Dadurch wird der Vergleich mit eher mittelmässigen Erzeugnissen der Werkstatt erschwert, doch ist zu überlegen, ob nicht der Maler, der u. a. 1344 Juni 27 für Scheibbs und 1344 November 20 für Schildesche gearbeitet hat, auch diese Indulgenz für Hirsau illuminierte. Vergleiche auch die Indulgenz für dasselbe Kloster 1347 Februar 5. Versuchsweise sind sie unter der Bezeichnung Maler der Hirsauer Indulgenzen zusammengeführt, wobei die beiden Urkunden für Hirsau in der höchsten Qualitätsstufe anzusiedeln sind. Gleichzeitig ist zu überlegen, ob nicht in der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen in den 1440er Jahren eine Arbeitsteilung praktiziert wurde, bei der mehrere Maler an einer Illumination gearbeitet haben.
  • Martin Roland, Gabriele Bartz
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Comment

Arenga (Incipit): Splendor paterne glorie ... .
Für die Hirsauer Klosterkirchen ist nur knapp drei Wochen später (5. Februar 1347) ein weiterer, leicht erweiterter und von anderen Bischöfen ausgestellter Ablass ausgefertigt worden. Siehe dazu ausführlich den Kommentar beim Stück vom 5. Februar 1347.
Markus Gneiss
Places
  • Avignon
    • Type: Ausstellungsort
  • Baden-Württemberg
    • Type: Region
  • Deutschland
    • Type: Region
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • Hirsau
    • Type: Empfängerort
Persons
  • Amedeus von Noli
    • Augustinus von Destillarien
      • Benediktus von Mesched
        • Bertrandus von Ajaccio
          • Gerhard von Speyer
            • Gregorius von Oppido
              • Johannes von Duvno
                • Johannes von Edessa
                  • Johannes von Trebinje-Mrkanj
                    • Paulus von Soazzo
                      • Petrus
                        • Stephanus
                          • Thomas von Knin
                            Keywords
                            • Illuminated Charters: Niveaus:
                              • N1: historiated
                              • N1: Initials
                              • N1: Borders
                              • N1: with Additional Colours
                              • N1: painted
                            • Illurk-Urkundenart:
                              • Bischofsammelindulgenz
                            • Glossary of illuminated charters (in German):
                              • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                              • Blattrankentyp
                              • Rahmentyp
                              • Ikonographische Diversifizierung
                              • Vorlage
                              • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
                              • Maler der Hirsauer Indulgenzen
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