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Charter: Illuminierte Urkunden 1347-06-23_Prad
Signature: 1347-06-23_Prad
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1347-06-23, Avignon
Bischofsammelindulgenz (18 Aussteller) für die Kapelle des heiligen Evangelisten Johannes in Prad:
Erzbischof Nerses von Manasgerd (Manasgardensis) sowie die Bischöfe Johannes von Trebinje-Mrkanj (Tribuniensis), Thomas von Knin (Tiniensis), Gregorius Salunensis (= Salvinensis; Lage nicht genau bestimmt), NikolausSalunensis [!, nicht identifiziert oder Irrtum des Schreibers], Augustinus von Destillarien (Distillariensis), Petrus von Cagli (Calliensis), Johannes von Thermopylae (Termopolensis), Johannes von Duvno (Delmitensis), Laurenz von Lavello (Lavelensis), Franziskus von Vregen (Wraensis), Avancius von Xanthi (Sanchiensis), Petrus von Lesina (Lesanensis), Betrandus von Ajaccio (Adiacensis), Thaddäus von Caffa (Caphensis), Nikolaus von Accia (Axiensis), Markus von Scutari (Scutarensis) und Gregorius von Oppido (Oppidensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die die in der Diözese Chur gelegene Kapelle des heiligen Evangelisten Johannes in Prad (capella libera nulli ecclesie subiecta sancti Johannis evangeliste in Prade, Curiensis diocesis, ad laudem Dei et beati Johannis evangeliste dedicata) an bestimmten Feiertagen und – soweit gegeben – in der jeweiligen Oktav reumütig und nach Ablegung der Beichte besuchen und dort Morgen- und Abendmessen oder welchen Messfeierlichkeiten auch immer beiwohnen, und zwar am Feiertag des Patrons dieser Kirche, zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und der Erscheinung des Herrn, am Karfreitag, zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, am Dreifaltigkeitstag, zu Fronleichnam, am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, am Feiertag des heiligen Erzengels Michael, an allen Marienfeiertagen, zu den Festen der Geburt und der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers, am Peter- und Paulstag, zu allen Apostel- und Evangelistenfesten, zu Allerheiligen, zu Allerseelen, am Weihetag der genannten Kapelle, an den Feiertagen des heiligen Stephan, des heiligen Laurenz, des heiligen Georg, des heiligen Martin, des heiligen Nikolaus, des heiligen Gregor, des heiligen Augustinus, des heiligen Ambrosius, des heiligen Hieronymus, der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Katharina, der heiligen Margarete, der heiligen Lucia sowie an allen Sonntagen. Weiters wird all jenen Ablass gewährt, die beim Abendläuten mit gebeugten Knien drei Ave Maria beten, die für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung der genannten Kapelle aufkommen, die derselben entweder testamentarisch oder auf anderen Wegen Gold-, Silber- und Kleidungsspenden oder andere Notwendigkeiten zukommen lassen, die den Priester beim Versehgang begleiten, die diese Kapelle umschreiten und dabei Gebete sprechen, die sich um die Beleuchtung der Kapelle kümmern sowie jenen, die für den [nicht namentlich genannten] Impetrator der vorliegenden Indulgenz und für alle Wohltäter der Kapelle beten.

1350 Mai 6, Marienberg
Bischof Ulrich von Chur bestätigt die obige Indulgenz und fügt weitere 40 Tage Ablass hinzu.
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Prad-Agums, Pfarrarchiv, Pos. 4

alle Siegel der Aussteller an Seidenfäden, alle abgefallen; Siegel des Churer Bischofs an Pergamentpressel, abgefallen.Material: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Vermerke: die Bestätigung des Churer Bischofs am linken Rand unter der Initiale; kein Bild der Rückseite vorhanden.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn, weitere drei vergrösserte Initialen der ersten Zeile, die letzte mit monochromen farbigen Füllungen im Binnenfeld.
  • Neunzeilige historisierte Initiale zu Textbeginn: mit der Feder gezeichnet und mit Deckfarben (Blau, Orange, Grün, Ocker und Weiss) koloriert. Im Binnenfeld hl. Johannes der Evangelist, bekleidet und mit gefalteten Händen (mit Schriftband) in einem Bottich mit siedendem Öl sein Martyium erleidend. Eine grün gekleideter Scherge facht das Feuer mit einem Blasebalg an. Der kniende Petent, in ein okerfarbiges Gewand gekleidet mit auffällig verlängertem Streifen am Ellbogen, ist, wie üblich, vor dem rechten Schaft der Initiale plaziert. Trotzdem, er scheint am Geschehen aktiv beteiligt. Das Binnenfeld mit kariertem Mustergrund. Der linke Buchstabenschaft mit ockerfarbigem Filigran. Von der Initiale gehen oben Blattfortsätze aus. Rechts oben breitet sich der Fortsatz über den Schriftspiegel aus.
  • Stil und Einordnung: 
    Der Dekor entspricht dem Blattrankentypus. Verglichen mit dem Ablass von 1344 April 28 für Frauenberg, dem derzeit ersten ersten Vertreter dieses Typs, ergeben sich grosse Übereinstimmungen. Das Blattwerk aus grossformigen Palmetten- und Akanthusblättern erstreckt sich oberhalb des Schriftspiegels, vom Hauptast zweigen Blätter ab, deren Stängel sich zu Medaillons einrollen. Die persönliche Handschrift verrät jedoch bei der Bildung der Blätter Unterschiede. Weiters fällt die unmittelbare Zuwendung des Heiligen im Binnenfeld zum Petenten auf. Beide Elemente sind charakteristisch für eine neue Gruppe von Malern, die ab 1342 in der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen tätig sind.
  • Der Maler des Ablasses für St. Johannes in Prad, dessen allgemeines Qualitätsniveau bescheiden ist und der deutlich unter jenem anzusiedeln ist, der den Blattrankentyp 1342 initiiert hat (vgl. die erwähnte Urkunde von 1344 für Frauenberg), lässt sich in vielen weiteren Ablässen wiederfinden. Ausgangspunkt könnte der Ablass von 1344 Juni 27 für Baumgartenberg sein. Dort findet sich die betonte Buntfarbigkeit und der summarische Farbauftrag, der mit wenigen breiten Pinselstrichen in einem dunkleren Farbton einheitlich ausgemalte Flächen strukturiert (sowohl bei den Blättern als auch bei Gewändern). Auch der mit feiner Feder eingetragene Gesichtsschnitt (mit dem spitz nach aussen gezogenen Ende des Augenumrisses) wäre zu nennen. Weiters die Ausprägung des Binnenfeldgrundes mit Quadrierung und einfacher weiss eingetragener Binnenstruktur (einander überschneidende Kreise); vorbildhaft und elaborierter: 1343 Jänner 22 für St. Stephan in Wien. Allgemein zum neuen Werkstattgebrauch gehört die Tendenz die Heiligen über der Initiale zu benennen und der engere Kontakt von Petent und Heiligen.
  • Derselben Hand können auch Ablässe für Scheibbs (1344 Juni 27) und Hamm (1345 Dezember 28), zugewiesen werden, wobei bei jenem für Hamm, der Gesichtsschnitt des Hauptheiligen mit jenem des bärtigen Schergen genau übereinstimmt (die Handgleichheit in diesem Fall auch für den Schreiber zu vermuten). Diesselbe doppelte Handgleichheit ist auch bei 1346 April 27 für Mörsdorf und 1347 April 6 für Enneberg festzustellen (bei der Schrift ist auf Versalien zu verweisen, denen kleine Dreiecke aufgesetzt werden).
  • Das bisher spannendste Stück, das diesem Maler zugeordnet werden kann, ist der Ablass von 1347 April 15 für Krakau, bei dem eine vielfältig differenzierte Ikonographie zu beobachten ist. Diese übertrifft das Stück für Prad bei weiten, obwohl auch hier die Darstellung des Martyriums szenisch ausgestaltet wurde und von dem sonst üblichen Andachtsbild-artigen Typus abweicht. Schliesslich ist noch ein Stück für Helmstedt (1347 August 28) zu nennen, das belegt, das dieser Maler und Zeichner ganz bis zum Ende des Werkstattbetriebes tätig war.
  • Wie vorsichtig man aber bei der Kreierung von Malern innerhalb derartiger Werkstätten sein muss, macht der Vergleich mit der deutlich aufwändigeren Urkunde für Hirsau deutlich (1347 Jänner 12): Gabriele Bartz benennt nach dieser Urkunde den Maler der Hirsauer Indulgenzen, dem sie glaubwürdig verschiedene formale Eigenheiten zuweist. Manche davon, etwa die Form der Beischrift, finden sich auch im hier besprochenen Stück, andere widersprechen jedoch den Charakter des Malers, der hier charakterisiert wird.
  • Wie mit diesem Gegensatz umzugehen ist, muss derzeit unentschieden bleiben. Dass jedoch der Gesichtsschnitt des oberhalb der Initiale dargestellten hl. Aurelius (Hirsau) mit dem schon erwähnten Schergen (Prad) übereinstimmt, steht ausser Frage. Andererseits ist die Qualität des Hirsauer Stückes im Ganzen höher, die Farbigkeit gedämpfter und auch die malerische Gestaltung der Blätter verschieden.
  • Auch ikonographisch ist der Ablass bemerkenswert, denn die Darstellung von Szenen, hier ein Martyrium, ist selten. Erstes bisher bekanntes Beispiel ist ein Ablass für St. Laurenz in Köln (1333 August 18); weiters ein Stück für St. Stephan in Wien (1339 November 5).
  • Martin Roland
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Comment

Arenga (Incipit): Splendor paterne glorie ... .
Die Indulgenz für die Johanneskapelle in Prad weist weder vom Formular noch vom Diktat her irgendwelche Besonderheiten auf. Sowohl die Ablassbedingungen als auch die aufgezählten Heiligen- und Festtage, an denen der Ablass gewonnen werden kann, bewegen sich im üblichen Rahmen des Usus der Avignoner Kanzlei.
Die Johanneskapelle bzw. -kirche wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Die Herren von Tschengls hatten in diesem Gotteshaus ihre Grablege: 1346 wurde beispielsweise Berthold der Ältere von Tschengls dort begraben, 1352 sein Sohn Gebhard. Die Herren von Tschengls waren Kirchvögte und landesfürstliche Lehensträger sowie Richter in Prad und zeichnen wohl auch für die – allerdings etwas spätere – malerische Ausgestaltung des Kirchenraums verantwortlich. Vgl. dazu Andergassen, Häresie, 2007, S. 302f. (Volltitel auf Zotero).
Markus Gneiss
Places
  • Avignon
    • Type: Ausstellungsort
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • HRR
    • Type: Region
  • Italien
    • Type: Region
  • Prad
    • Type: Empfängerort
Persons
  • Augustinus von Destillarien
    • Avancius von Xanthi
      • Betrandus von Ajaccio
        • Franziskus von Vregen
          • Gregorius Salunensis
            • Gregorius von Oppido
              • Johannes von Duvno
                • Johannes von Thermopylae
                  • Johannes von Trebinje-Mrkanj
                    • Laurenz von Lavello
                      • Markus von Scutari
                        • Nerses von Manasgerd
                          • Nikolaus
                            • Nikolaus von Accia
                              • Petrus von Cagli
                                • Petrus von Lesina
                                  • Thaddäus von Caffa
                                    • Thomas von Knin
                                      • Ulrich von Chur
                                        Keywords
                                        • Illuminated Charters: Niveaus:
                                          • N1: historiated
                                          • N1: Borders
                                          • N1: with Additional Colours
                                          • N1: painted
                                          • N1: Initials
                                        • Glossary of illuminated charters (in German):
                                          • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                                          • Blattrankentyp
                                          • Der Petent
                                          • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
                                          • Maler der Hirsauer Indulgenzen
                                        • IllUrk-Urkundenart:
                                          • Bischofsammelindulgenz
                                        x
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