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Charter: Illuminierte Urkunden 1350-05-28_Helmstedt
Signature: 1350-05-28_Helmstedt
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1350-05-28, Avignon und Niedersachsen (Ausstattung)
Bischofsammelindulgenz (12 Aussteller) für die Pfarrkirche Helmstedt und den darin befindlichen Altar der heiligen Maria, der heiligen Maria Magdalena und der heiligen Margarete:
Die Bischöfe Gregorius von Oppido (Opidensis), Johannes von Terralba (Terealbensis), Augustinus von Destillarien (Destillariensis), Adam von Perpereno (Perpenensis), GregoriusSalunensis (= Salvinensis; Lage nicht genau bestimmt), JohannesDionarianus [?], JakobusHeurenensis [?], Franziskus von Accia (Acciensis), Betrandus von Ajaccio (Adiacensis), Avancius von Xanthi (Xanchiensis), Franziskus von Vregen (Vrehensis) und Johannes von Tortiboli (Tertopolensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die die in der Diözese Halberstadt gelegene Pfarrkirche des heiligen Stephan in Helmstedt sowie den darin befindlichen Altar der heiligen Maria, der heiligen Maria Magdalena und der heiligen Margarete (ecclesia parrochialis sancti Stephani in Helmestede et altare beate Marie virginis, beate Marie Magdalene et sancte Margarete in eadem ecclesia, Halberstadensis diocesis) an bestimmten Festtagen und – soweit gegeben – in der jeweiligen Oktav reumütig und nach Ablegung der Beichte besuchen und dort Morgen- und Abendmessen oder welchen Messfeierlichkeiten auch immer beiwohnen, und zwar an den Feiertagen der Patrone dieser Kirche und des genannten Altars, zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und Erscheinung des Herrn, am Gründonnerstag, am Karfreitag, zu Ostern, zu Christi Himmelfahrt, zu Pfingsten, am Dreifaltigkeitstag, zu Fronleichnam, am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, am Feiertag des heiligen Erzengels Michael, zu den Festen der Geburt und der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers, am Peter- und Paulstag, zu alle Apostel- und Evangelistenfesten, an den Feiertagen der vier Kirchenväter, zu Allerheiligen, zu Allerseelen, an den Weihetagen der genannten Kirche sowie der genannten Altäre, an den Feiertagen des heiligen Stephan, des heiligen Laurenz, des heiligen Georg, des heiligen Martin, des heiligen Blasius, des heiligen Nikolaus, der heiligen Martha, der heiligen Katharina, der heiligen Lucia sowie an allen Sonntagen und Samstagen des gesamten Jahres. Weiters wird all jenen Ablass gewährt, die den Friedhof dieser Kirche betend umschreiten, die die in dem genannten Altar aufbewahrte Schweißtuchreliquie besuchen und anbeten, die den Priester beim Versehgang begleiten, die beim Abendläuten mit gebeugten Knien drei Ave Maria beten, die für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung der genannten Kirche und des Altars aufkommen, die denselben Gold-, Silber- oder Kleidungsspenden und andere Notwendigkeiten zukommen lassen sowie jenen, die für den [nicht namentlich genannten] Impetrator der vorliegenden Indulgenz zu Gott beten.

Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Wolfenbüttel, Niedersächsisches Staatsarchiv - Abteilung Wolfenbüttel, 42 Urk Zg. 2017/66 Nr. 122 (ehem.: Helmstedt, Stadtarchiv)

12 (rotes Wachs) an Seidenfäden.Material: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Vermerke: auf der Vorderseite keine sichtbar, nur ein Teil der Rückseite als Bild vorhanden.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn, weitere vier vergrösserte Initialen in der ersten Zeile. Drei vergrösserte einzeilige Initialen mit Aussparungen im Textblock. Primär, also in Avignon, nur die Konturen der fünfzeiligen U-Initiale in breiten Federstrichen festgelegt.
  • Historisierte Initiale zu Textbeginn, wohl vom Empfänger (Dekoration beim Empfänger) weiter ausgestattet: Mit der Feder gezeichnet und mit Deckfarben und Silber koloriert. Im Binnenfeld zentral stehende Maria mit Kind mit einem Globus in der Hand, flankiert von der hl. Magdalena mit Salbtopf und der hl. Margarete, mit einem Kreuz in der Hand, dem Drachen entsteigend; auf einem Rasenstreifen stehend vor rotem Mustergrund, der mit weissen, aus drei Scheiben gebildeten Blüten gemustert ist. Darüber Sudarium im Binnenfeld mit Vera Ikon (vierzipfelig), das von zwei Engeln, die aus einem Wolkenkranz kommen, gehalten wird. Der Buchstabenkörper mit – rechts unregelmässigen – Kreuzschraffen gestaltet.
  • Stil und Einordnung: 
    Die Urkunde für St. Stephan in Helmstedt dürfte Avignon in dem Zustand verlassen haben, wie heute noch 1350 Jänner 25 für Rickenbach erscheint; dabei handelt es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um denselben Schreiber (ebenso wie 1349 April 8 für Egg und Metten, 1350 März 25 für Ebringen, 1351 Juni 21 für Hannover und 1353 September für Wien). Zurück in Helmstedt – auf alle Fälle mit direkten Bezug auf das Patrozinium des begünstigten Altars – wird man dann die Illuminierung in Auftrag gegeben haben. Interssant ist, dass der namengebende Heilige der Kirche, Stephan, in der Malerei nicht vorkommt, wohl aber eine Vera Ikon. Es gilt zu erforschen, ob mit dem Schweisstuch der Veronika auf die frühe Tradition des Vera-Ikon-Typus der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen verwiesen wird oder ob die Kirche über ein solches Bild verfügte. Das man der Figur auf der Urkunde eine besondere Stellung zubilligte, ist auch an dem silbernen Nimbus zu sehen. Tatsächlich wird in den Ablassbedingungen eine im Altar befindliche Schweisstuchreliquie erwähnt. Interessanterweise wird sie als Veronica bezeichnet.
  • Die drei Frauengestalten erweisen sich mit dem sorgfältig gezeichneten lockigen Haar, dem reichen Falten der Gewänder und den lebendigen Posen (Margarete scheint mit – etwas verunglücktem – angehobenem Bein aus dem Drachen regelrecht auszusteigen) erweist sich die Malerei auf der Höhe ihrer Zeit. Weitere Forschungen müssen klären, ob sich die Malerei der U-Initiale vielleicht auf ein auf dem Altar vorhandenes Tafelbild bezieht.
  • Wilhelm Grimm notiert unter einer Zeichnung von Ludwig Grimm vom Sommer 1843, dass diese die Initiale der Helmstädter Urkunde zeigt (https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1447921152675/68/ bzw. hier]). Die Zeichnung ist eingeklebt in das Handexemplar Wilhelm Grimms zu seinem Vortrag „Über die Sage vom Ursprung der Christusbilder“. Berlin 1842/43 (Marburg, Staatsarchiv, Best. 340 (Grimm), L 43: Digitalisat: https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1447921152675/1/). Die Urkunde auf S. 19f. im Text behandelt.
    Ludwig Grimm hat erstaunlich gut kopiert: Er trifft die Initiale mit den Serifen und der Schraffur erstaunlich gut, doch hinterlegt er dieser eine gelbliche Tönung. Man wird davon ausgehen können, dass bereits in den 1840er Jahren das Silber geschwärzt gewesen ist, doch gibt er die ursprüngliche Farbgebung mit Silber und Gold an.
  • Gabriele Bartz, Martin Roland
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Comment

Arenga (Incipit): Splendor paterni luminis ... .
Die Indulgenz für Helmstedt bewegt sich von Formular und Diktat her weitgehend im gewohnten Rahmen des Usus der Avignoner Kanzlei. Die Erwähnung der Verehrung des Schweißtuches als Ablassbedingung zeugt jedoch von der Berücksichtigung individueller Elemente im Diktat und ist als Hinweis für die in Helmstedt gängige Reliquienverehrung aufzufassen. Der Umstand, dass in der Kirche bzw. im genannten Altar eine Schweißtuchreliquie aufbewahrt wurde, erklärt auch die Vera-Ikon-Darstellung im Inneren der U-Initiale (siehe dazu ausführlich in der Kunsthistorischen Beschreibung).
Markus Gneiss
Places
  • Avignon und Niedersachsen (Ausstattung)
    • Type: Ausstellungsort
  • Deutschland
    • Type: Region
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • Helmstedt
    • Type: Empfängerort
  • Niedersachsen
    • Type: Region
Persons
  • Adam von Perpereno
    • Augustinus von Destillarien
      • Avancius von Xanthi
        • Betrandus von Ajaccio
          • Franziskus von Accia
            • Franziskus von Vregen
              • Gregorius
                • Gregorius von Oppido
                  • Jakobus
                    • Johannes
                      • Johannes von Terralba
                        • Johannes von Tortiboli
                          Keywords
                          • Illuminated Charters: Niveaus:
                            • N1: historiated
                            • N1: Initials
                            • N1: with Additional Colours
                            • N1: painted
                          • Illurk-Urkundenart:
                            • Bischofsammelindulgenz
                          • Glossary of illuminated charters (in German):
                            • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                            • Dekoration beim Empfänger
                            • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
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