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Charter: Illuminierte Urkunden 1363-04-06_Sint-Truiden
Signature: 1363-04-06_Sint-Truiden
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1363-04-06, Avignon und Flandern (Herkenrode?) (Ausstattung)
Bischofsammelindulgenz (18 Aussteller) für die Zisterzienserinnen von Herkenrode:
Die Erzbischöfe Johannes von Matrek (Matrigensis) und PaulusAirithrensis [nicht identifiziert] sowie die Bischöfe Stephanus von Vence (Venciensis), Johannes Aytonensis [wird bei Eubel 518 unter Veglia angeführt, jedoch nicht identifiziert], Johannes von Siliwri (Saluiensis), Arnoldus von Sorra (Surrensis), Simon von Gerace (Gyracensis), Johannes von Kisamos (Kysamensis), Petrus von Massalubrense (Lobrensis), Bertrandus von Ampurias (Ampuriensis), Balduinus von Tripolis (Tripolitanensis), Robertus von Priština (Prisniensis), Antonius von Triest (Tergestinensis), Alfonsus von Citrum (Citrensis), Ludowicus von Brugnato (Brugnatensis; Schrift stark verblasst, deswegen Schreibung unsicher), Arnoldus von Ottana (Ottonensis), Albertus Surmenensis [nicht identifiziert, fehlt bei Eubel] und Philippus Lavadensis [nicht identifiziert, fehlt bei Eubel] erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die die in der Diözese Lüttich gelegene Konventualkirche des Zisterzienserinnenklosters Herkenrode (ecclesia conventualis monasterii de Herkenrode, Leodiensis diocesis, ordinis Cisterciensis) an bestimmten Festtagen und – soweit gegeben – in der jeweiligen Oktav reumütig und nach Ablegung der Beichte besuchen und dort an Messfeierlichkeiten teilnehmen, und zwar in der gesamten Adventszeit, zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und der Erscheinung des Herrn, in der gesamten Fastenzeit, zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, zu Allerheiligen, am Dreifaltigkeitstag, zu Fronleichnam (Sacramenti), am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, an allen Marienfeiertagen, nämlich Mariae Empfängnis, Geburt, Verkündigung, Lichtmess und Himmelfahrt, an den Feiertagen des heiligen Erzengels Michael, des heiligen Johannes des Täufers und des Evangelisten Johannes, am Peter- und Paulstag, zu allen Apostel- und Evangelistenfesten, an den Feiertagen der vier Kirchenväter, zu Allerseelen, am Kirchweihtag, an den Feiertagen des heiligen Stephan, des heiligen Laurenz, des heiligen Martin, des heiligen Nikolaus, des heiligen Lambert, des heiligen Cornelius, des heiligen Antonius, des heiligen Georg, des heiligen Quirinus, des heiligen Egidius, des heiligen Remigius, des heiligen Christophorus, des heiligen Fabian, des heiligen Sebastian, der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Katharina, der heiligen Barbara, der heiligen Margarete, der heiligen Agathe, der heiligen Agnes, der heiligen Christina, der heiligen Cäcilie, der heiligen Lucia, der heiligen Anna, der heiligen Odilia, der heiligen Ursula, der heiligen Cordula, der heiligen Scholastica, der heiligen Genoveva, der 11 000 Jungfrauen sowie an allen Sonntagen, Samstagen und Freitagen. Weiters wird all jenen Ablass gewährt, die den Priester beim Versehgang begleiten, die beim Abendläuten mit gebeugten Knien drei Ave-Maria beten, die für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung der Kirche aufkommen, die derselben entweder testamentarisch oder auf anderen Wegen Gold-, Silber- oder Kleidungsspenden und andere Notwendigkeiten zukommen lassen sowie jenen, die für denjenigen, der die vorliegende Indulgenz bestätigt, für den [nicht namentlich genannten] Impetrator derselben und für alle verstorbenen Seelen im Fegefeuer zu Gott beten.
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Sint-Truiden,Provinciaal Museum voor religieuze Kunst,Inv. 463, (alt: Inv. KPL/sd/251), Hasselt, Stedelijk Museum, (Depositum des)

16 Siegel noch erhalten, zwei abgefallen.Material: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Vermerke: auf der Vorderseite keine sichtbar, kein Bild der Rückseite vorhanden.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Einzeilige, jedoch weit über die erste Zeile hinausgehende historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn, oben Bildfries. Die erste Zeile in ausgesparter Auszeichnungsschrift (teilweise Tüchleinbuchstaben) vor rot schraffiertem Grund.
  • Historisierte Initiale: mit der Feder gezeichnet und mit Deckfarben (und Gold?) koloriert. Im Binnenfeld Darstellung der Klosterkirche (Oliver 1995, S. 191; Roland, Zajic 2013, S. 336, Anm. 174). Der linke Buchstabenschaft wie eine Goldschmiedearbeit mit blauen und roten Steinen gestaltet, in den Zwickeln wohl je ein Engel. Die Zwickel des Initialfeldes links mit achtzackigen Sternen.
  • Oberhalb des Schriftspiegels Fronleichnamsprozession: Angeführt von einer Weihwasser versprühenden Novizin oder Laienschwester (?). Ob es sich tatsächlich um eine Frau handelt, ist nicht ganz klar, denn das Gewand gibt den Blick auf die rot bestrumfpten Knöchel frei. Der Figur folgen in Zweierreihen: Zwei bekränzte Männer, die Fahnen und zwei, die grosse gedrehte Kerzen / Fackeln (?) tragen. Ihre Röcke reichen bis kurz oberhalb des Knies, darunter Beinlinge. Danach zwei weltliche Frauen mit bodenlangen, mit Borten versehenen Gewändern und Kopftüchern; an den Ellenbogen zeittypisch fast bis zum Boden reichende Stoffstreifen. Sodann sechs Nonnen mit aufgeschlagenen Gebetbüchern. Die Grösse der Bücher spricht eigentlich gegen Gesangsbücher, die Oliver (1995, S. 193) zu erkennen meinte, selbst wenn Notation auszumachen ist. Dabei möchte es sich um Prozessionale handeln, selbst wenn man nicht viel über deren Grösse weiss. Chorbücher waren ja jedenfalls nicht für einzelne Sänger(Innen), z. B. das auch einen Zisterzienserorden hegestellte Prozessionale, Karlsruhe, Baden-Württembergische Landesbibliothek, Ms. Lichtenthal 54; dessen Grösse mit 9,5 x 7 cm wohl kleiner ist als die, die die Nonnen hier tragen. Die Äbtissin mit einer Krümme wird von einem von ihr nahezu gänzlich verdeckten weltlichem Mann begleitet, danach folgen zwei Mönche mit langen Stäben in der Hand. Vier besonders prächtig bekleidete weltliche Männer tragen den Baldachin für die Monstranz, vorne zwei ältere mit roten Stirnbändern und hinten zwei jüngere. Unter dem Baldachin drei Priester in festlichem Ornat; der mittlere trägt die Monstranz, die beiden anderen wohl Reliquiare. Der Weg, den die Prozession beschreitet, ist mit Gras bewachsen; sechs mit zahlreichen Vögeln bevölkerte Bäume machen den Weg zu einer Allee.
  • Stil und Einordnung: 
    Seit der letzten, bisher bekannten Indulgenz mit Illumierungen der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen, 1348 März 5 für Nürnberg muss man annehmen, dass die Werkstatt ihre Tätigkeit – vielleicht wegen der wütenden Pest – eingestellt hat. Deshalb mussten die Bittsteller ihre Indulgenzen anderswo illuminieren lassen. Die Indulgenz für Herkenrode hat die Papststadt als unilluminierte Avignoner Bischofsammelindulgenz verlassen. Dabei handelt es sich wohl um den seltenen Fall, dass die ganze erste Zeile frei gelassen wurde. Vielleicht hat man aber auch die Buchstaben der ersten Zeile nur in Tintenkonturen ausgeführt; das würde das Fortlaufen des Texts in der zweiten Zeile leichter machen.
  • Es wäre wohl zu kompliziert geworden, wenn man wie gewöhnlich die Initiale in das Textfeld eingepasst hätte. Wahrscheinlich hat der Auftraggeber bereits das später verwirklichte Layout vor Augen gehabt. So ergibt sich nämlich durch die nach oben gerückte Initiale die Möglichkeit, Binnenfeld und Bildfries als eine Aktionsbühne aufzufassen.
  • Für eine solche Idee eignete sich die in Avignon geschriebenen ersten Zeilen mit ihren vergrösserten Initialen nicht; hier hat man extra Linien gezogen, um der ersten Zeile nach oben wie nach unten eine feste Struktur zu verleihen. Die Linie für den Bildfries setzt ein wenig höher an und bildet im Binnenfeld die Unterkante der Kirche, sodass eine einheitliche Aktionsbühne für die Figuren zustande kommt.
  • Die Auszeichnungsschrift, die letztlich so etwas wie die Konturen der kräfigen Tintenstriche aus Avignon nachzeichnet (vgl. z. B. 1363 März 6 für Sarmenstdorf), erhält durch das Aussparen vor dem rot schraffierten Grund den Charakter von Bändchenbuchstaben (Tüchleinbuchstaben). Die U-Initiale spielt mit Dekorationen aus Goldeschmiedearbeiten, letztlich wohl auf die prächtige Monstanz anspielend, die das Kloster für die wundersame blutende Hostie benutzte.
  • Diese Monstranz von 1286 (Guster 2009, S. 248-251) ist wohl auf der Urkunde abgebildet (Kempkens in: Goldene Pracht, 2012, S. 372 mit Abb. 68). Die Nonnen von Herkenrode besassen eine Reliquie, le Saint-Sacrement de Miracle; mit deren Hilfe wollten sie den Kirchenbau vorantreiben (Oliver, Livre manuscrit, 2009, S. 28).
  • Interessant ist die genaue soziale Kennzeichnung der Teilnehmer der Prozession: die Fahnen- und Kerzenträger sind einfacher gekleidet, die Damen vornehm und aufwendig mit Pelzbesätzen, beinah geckenhaft jedoch die älteren Träger des Baldachins mit ihren Gürteln mit riesigen Schnallen, den spitzen Schuhen und den bunt gemusterten Gewändern. Auch die Umhänge der Priester, der Baldachin und die Kreuzfahnen sind eine Zurschaustellung von unterschiedlichen Stoffmustern.
  • Roland und Zajic (2013, S. 337) hoben hervor, dass es angsichts der Klausurbestimmungen der Zisterzienserinnen die Öffentlichkeit bemerkenswert ist. Oliver (1995, S. 193) stellte heraus, dass die Teilnahme von Frauen an der Prozession ungewöhnlich ist. Ob tatsächlich die allenthalben spriessende Natur und die Anwesenheit der Vögel auf die Jahreszeit und somit auf das Datum der Fronleichnamsprozession anspielt (Oliver 1995, S. 192), ist vielleicht etwas überinterpretiert, doch ist schon allein das Vorkommen von Flora und Fauna bemerkenswert. Ebenso bemerkenswert ist der frühe Versuch, Architektur vedoutenhaft zu individualisieren. Ausserhalb Italiens scheint es sich dabei um eine besonders frühe Erscheinung zu handeln.
  • Die Malerei kann somit als ein beeindruckendes Beispiel für voreyckischen Realismus bezeichnen. Seit Oliver (1995) ist die Indulgenz für Herkenrode als wichtiges Zeugnis niederländischer Malerei anerkannt (Dekoration beim Empfänger). Angesichts des wenigen erhaltenen Materials, das zur Einordnung der Malerei dienen könnte, ist dennoch Olivers (1995, S. 197) vorgetragene These, dass es sich dabei um eine Arbeit der Nonnen von Herkenrode handeln wird, nicht tragbar.
  • Oliver (1995, S. 192) wie später auch Rudy hoben besonders die in unterschiedliche Seiden verpackte Siegel hervor; die bereits in Avignon so präpariert wurden.
  • Gabriele Bartz, Martin Roland
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Bibliography

Comment

Arenga (Incipit): Splendor paterne glorie ... .
So bemerkenswert die Ausstattung dieser Indulgenz ist, so wenig individuell gestaltet sich das Diktat der Urkunde. Die Fronleichnamsprozession, die prominent ins Bild gerückt ist, wird im Urkundentext mit keinem Wort erwähnt, lediglich das Fest Fronleichnam wird in der üblichen Form bei den Ablassgelegenheiten genannt.
Markus Gneiss


Notes
1(Depositum des)
Places
  • Avignon und Flandern (Herkenrode?) (Ausstattung)
    • Type: Ausstellungsort
  • Belgien
    • Type: Region
  • Frankreich (Kurie) (Empfängerausfertigung)
    • Type: Region
  • Herkenrode
    • Type: Empfängerort
Persons
  • Albertus
    • Alfonsus von Citrum
      • Antonius von Triest
        • Arnoldus von Ottana
          • Arnoldus von Sorra
            • Balduinus von Tripolis
              • Bertrandus von Ampurias
                • Johannes
                  • Johannes von Kisamos
                    • Johannes von Matrek
                      • Johannes von Siliwri
                        • Ludowicus von Brugnato
                          • Paulus
                            • Petrus von Massalubrense
                              • Philippus
                                • Robertus von Priština
                                  • Simon von Gerace
                                    • Stephanus von Vence
                                      Keywords
                                      • Illuminated Charters: Niveaus:
                                        • N1: Initials
                                        • N1: historiated
                                        • N1: Borders
                                        • N1: with Additional Colours
                                        • N1: painted
                                        • N2: Display script (with decorative character)
                                      • Illurk-Urkundenart:
                                        • Bischofsammelindulgenz
                                      • Glossary of illuminated charters (in German):
                                        • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                                        • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
                                        • Unilluminierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                                        • Das Layout der Avignoner Bischofsammelablässe
                                        • Dekoration beim Empfänger
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