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Heraldische Begriffe

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Ph mit dem Kreuzbalken

Eine Form der Darstellung des Namenskürzels „Ph“, bei der die Abbreviatur am Schaft des „h“ wie ein Kreuzbalken angebracht ist. Hauptsächliches Vorkommen unter Philippe IV (le Bel, 1285-1314), mit einigen Urkunden unter Philippe V (le Long, 1316-1322), danach nur noch sporadisch bei Prinzen dieses Namens. Der ikonographische Höhepunkt bildet jedoch eine Urkunde von Charles V (le Sage, 1364-1380).

Der Prozess des Verschwindens der Urkunden mit dem Königssignum vollzog sich allmählich;[1] erste Ansätze mit einer geschmückten Anfangsinitiale finden sich unter König Louis IX (Saint-Louis, 1226-1270) mit beispielsweise der bisher ersten bisher bekannten Urkunde mit Fleuronnée-Dekoration vom Juni 1253. Während der Regentschaft von dessen Sohn Philippe III (le Hardi, 1270-1285) begann die Kanzlei die Ph-als eine Art Signum zu gestalten und die Ligatur mit Dekorationen zu versehen; bereits im Juni 1276 mit einer Fleur-de-lys. Der Zeichner mit dem Wildschwein zieht das „Ph“ neuerlich zu einem Zeichen am Beginn der Urkunde zusammen, indem er einen Balken über dem Schaft des „h“ zu einer Standfläche für das Wildschwein werden lässt und die Binnenfelder als Raum für Gesichter nutzt (siehe z. B. die Urkunde vom März 1284).

Verständlicherweise benötigt die Dekorationsform mit dem Kreuz ein Kürzel. Lud(ovicus) hat das so nicht entwickelt, beim Königsnamen Philippe/ Philippus beobachtet man das von Anfang an (bisher frühestes Beispiel im Juni 1276). Ist die Reihenfolge und Schreibweise der Buchstaben festgelegt, bietet der Kürzungsstrich Raum für Kreativität. So nimmt es nicht Wunder, dass im Februar 1286 (n. st.; bisher frühestes Beispiel und hier abgebildet), im ersten Regierungsjahr von Philippe IV (le Bel, 1285-1314), erste Experimente mit einem Kreuzbalken gemacht wurden.[2]

Klare Assoziationen an das Kreuz Christi finden sich meist bei einfachen Urkunden, wie beispielsweise im Oktober 1294, wo der Kürzungsstrich wie ein Querbalken eines Kreuzes gestaltet ist. Von solchen Urkunden wird es wesentlich mehr geben, als die hier in die Sammlung aufgenommenen. Unter Philippe V (le Long, 1316-1322) ist diese Dekorationsform so etabliert, dass sie wie ein fester Bestandteil der Namensabbreviatur wirkt (siehe z. B. Mai 1317). Mit dieser assoziativen Annäherung an das wichtigste christliche Symbol wird der gottgewollte Anspruch des Königtums bekräftigt und gleichzeitig eine Anrufung Gottes intendiert.

Bisher sind für die Regentschaft des Philippe VI (le Valois, 1328-1350), dem ersten französischen König aus dem Haus Valois, keine Urkunden mit dem Kreuzesbalken bekannt. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Dekorationsform verschwindet, denn Herzog Philippe d’Orléans (1336-1375), jüngster Sohn des Philippe VI, verwendete sie in bewusster Anlehnung in einer Urkunde vom 13. August 1357 und auch noch einmal am 21. Januar 1367. Auch bei Urkunden des Philippe le Hardi (1342-1404), vierter Sohn des französischen Königs Jean le Bon, ist gelegentlich ein waagerechtes Kürzungszeichen zu finden, doch scheint die Assoziation eines Kreuzes, ausser vielleicht bei 15. März 1385, nicht gemeint zu sein.

Die vollendete historisierende Umsetzung des Buchstabenschaftes vom „h“ als Kreuz findet sich auf einer Urkunde vom 2. Februar 1367 von Charles V, wo in den Binnenfeldern König und Dominikanermönch den tatsächlich am Kreuz dargestellten Christus anbeten. Durch die über dem Kreuz schwebende Krone ist die Botschaft geteilt, einerseits die hingebungsvolle Devotion des Königs und andererseits – unmissverständlich durch die Fleurs-de-lys am Kreuzbalken – das gottgewollte Königtum. 


Gabriele Bartz

(Stand: Januar 2023)




[2] Der halbe Kreuzbalken als Abbreviatur taucht ebenfalls im Februar 1286 erstmals auf und wirkt wie eine vorsichtige Annäherung an die christliche Ikonographie; diese Gestaltung nimmt jedoch ihre eigenen Wege.


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