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fondLilienfeld, Zisterzienser (1111-1892)
  1. Stiftsgeschichte
  2. Das Zisterzienserstift Lilienfeld wurde 1202 vom ebenso bedeutenden wie lange Jahre regierenden Babenbergerherzog Leopold VI., dem Glorreichen (1198-1230), gegründet und als landesfürstliche Stiftung erhielt es in der Folge ganz besondere Förderung. Es wurde nicht nur reich dotiert, sondern erhielt vom Herzog etwa auch, als er von einem Kreuzzug zurückgekehrt war, eine Kreuzreliquie und erreichte 1217 die Aufnahme in den Reichsschutz durch Kaiser Friedrich II.

    Die ersten Mönche des Kloster wurden aus Heiligenkreuz nach Lilienfeld berufen. 1217 konnte man vier Altäre durch den Passauer Bischof, zu dessen Diözese das Stift gehört, weihen lassen und am Andreastag des Jahres 1230 schloß sich dann die Weihe des Kosters und des östlichen Teiles der Kirche durch den Salzburger Metropoliten Eberhard II. an. Vollendet wurde die 82 m lange und 21 m breite Kirche, in der sich romanischer Stil schon mit gotischen Elementen verbindet, rund dreißig Jahre später. 1263 erfolgte die Weihe der letzten Altäre.

    Bereits 1230 war Leopold VI. verstorben und seinem Wunsch entsprechend in Lilienfeld bestattet worden. Den Aufschwung seiner Stiftung konnte auch das Ende der babenbergischen Herzöge durch den Tod Friedrichs II. in der Schlacht an der Leitha gegen die Ungarn nicht beeinträchtigen. Nicht unwesentlich trug dazu bei, daß Margarete, die Tochter Leopolds VI., den Böhmenkönig Ottokar II. Prsemysl ehelichte. Das Kloster wurde, als Ottokar in Österreich die Herrschaft übernahm, weiterhin vom Landesherrn gefördert und erhielt seine Privilegien bestätigt. Nachdem Margarete von Böhmen 1267 verstorben war, fand sie wie ihr Vater in Lilienfeld ihre letzte Ruhestätte. Im Laufe der Zeit folgten immer mehr Personen ihrem und Leopolds Vorbild und trachteten, an diesem heilsträchtigen Ort ihre letzte Ruhe zu finden. Damit einher gingen in steigendem Maß Schenkungen an das Kloster.

    Als Rudolf von Habsburg und seine Söhne die Herrschaft über Österreich antraten, war die Phase der Konsolidierung des Klosters bereits abgeschlossen. Auch von den neuen Landesherren erreichte man die Anerkennung der alten Rechte und Freiheiten. Die Zahl der Stiftungen, die Lilienfeld erhielt, wuchs weiter an, was sich auch in der Zahl der Urkunden spiegelt. Während unter den Äbten Albero (1294-1302) und Paul II. (1302-1316) noch insgesamt 170 Urkunden – nicht zuletzt durch das Skriptorium – ausgestellt wurden, waren es unter Abt Ottokar (1316-1336) bereits 240. In verstärktem Maße trieb man im Kloster nun allgemein die Wissenschaften und die Ausbildung einer Bibliothek, des Skriptoriums und eigener Werkstätten voran. Die Werke des Konrad Pincerna (Schenk) und die Dichtungen des Christanus, der ebenso eine Ars metrica verfaßte wie er ein Epos über Jakobus den Älteren oder Hymnen und Sequenzen schrieb, entstanden nun. Auch das umfangreichste typologische Werk des Mittelalters, die Concordantiae Caritatis des Abtes Ulrich von Lilienfeld mit umfangreichen bildlichen Darstellungen, und qualitativ hochstehende Werke der Glasmalerei entstanden nun.

    Dazu kümmerte man sich im Siechenhaus, Armenspital und Hospitium, an die auch zahlreiche Stiftungen gingen, intensiv um Arme und Kranke. So wird denn etwa Abt Wichhard (1282-1285) in den Quellen amator pauperum genannt. Auf diese Blüte, während der dem Konvent an die 100 Mitglieder angehörten, brachten das 15. und 16. Jahrhundert in der Folge allerdings schwere Rückschläge. Die Hussitenkriege mit ihren schweren finanziellen Belastungen und die Wirren währen der Herrschaft Kaiser Friedrichs III. zeitigten hier ebenso Probleme wie das Vordringen der Reformation und die Belastungen durch die Türkenabwehr. Gleich wie in anderen Klöstern hatte man nach der Verbreitung der protestantischen Lehren nicht nur mit einem starken Rückgang des Nachwuchses zu kämpfen, sondern auch mit schrumpfenden Einnahmen, da der Strom an Stiftungen ins Stocken geriet. Schlußendlich zählte man 1587 in Lilienfeld nur noch 6. Mönche. Nach der Durchsetzung der Gegenreformation durch den Sieg am Weißen Berg, nahmen die Klöster in Österreich allerdings rasch wieder einen starken Aufschwung – in Lilienfeld ebenso wie Melk oder anderen Stiften. Unter Abt Ignaz Kraft (1622-1638) wurde im Stift eine philosophisch-theologische Hochschule eingerichtet, wodurch man nicht zuletzt auch für eine Sicherung des eigenen Nachwuchses sorgte. Dazu bekleideten die Lilienfelder Äbte der Zeit bedeutende Ämter. Cornelius Strauch (1638-1650), unter dem auch die Sakristei mit einer Stuckdecke und einem Marmorbrunnen ausgestattet wurde, erfüllte während des 30jährigen Krieges die Funktion eines kaiserlichen Kriegskommissars, Matthäus Kolweis (1650-1695) war Generalvikar der Zisterzienser und wiederholt Rektor der Wiener Universität. Er begründete auch die sogenannte ‚Josefibruderschaft’, die Erzbruderschaft des hl. Josef, die in den habsburgischen Ländern weite Verbreitung fand und der im Laufe ihres Bestehens mehr als 200 000 Personen beitraten. Nachdem man 1683 Angriffe der Türken auf das Stift abzuwehren vermochte und die Türkengefahr in den nächsten Jahren gebannt wurde, machte man sich zunächst unter Abt Sigismund Braun, der von Laienbrüdern die Bibliothek in ihrer heutigen Form errichten ließ, und dann vor allem auch unter Abt Chrysostomus Wieser (1716-1747) daran, Lilienfeld stärker barock auszugestalten.

    Anders als etwa in Melk mußte die mittelalterliche Kirche allerdings keinem Neubau weichen, vielmehr wurde nach den Plänen des Lilienfelder Laienbruders Ludwig Kögel eine einheitliche barocke Ausstattung mit einem stringenten Altarprogramm in die bestehende Kirche integriert. D. Gran, M. Altomonte und andere bedeutende Künstler trugen zur Ausstattung der Kirche bei. Ein jähes vorläufiges Ende kam wie in so vielen anderen Klöstern auch in Lilienfeld durch die Reformen Josephs II., als das Stift 1789 aufgehoben wurde. Zwar machte Josephs Nachfolger und Bruder Leopold II. die Aufhebung schon im darauffolgenden Jahr rückgängig, doch waren währenddessen schon bedeutende Verluste an Kunstgegensständen und Handschriften eingetreten. Nicht viel später traf ein zweiter Schlag das Kloster, als 1810 ein Brand im Stift ausbrach und nicht zuletzt mittelalterliche Bausubstanz zerstörte. Das Brunnenhaus, das man erst 1886 neu errichtete, und das Mönchsdormitorium wurden ebenso ein Raub der Flammen wie das Refektorium und die Sebastianskapelle. Weitgehend erhalten blieben dagegen nicht zuletzt der Kreuzgang, die alte Pforte, das Dormitorium der Laienbruder und das darunterliegende cellarium maius. Vom Prior und späteren Abt Ladislaus Pyrker wurde der Wiederaufbau organisiert. Dieser war einerseits als Dichter von Versepen selbst literarisch tätig, andererseits förderte er Grillparzer und hatte darüber hinaus noch eine große kirchliche Karriere vor sich, die er als Patriarch von Venedig und Erzbischof von Erlau beschließen sollte.

    Nachdem man 1902 in Lilienfeld schon das 700-Jährige Bestehen hatte feiern können und dabei auch den Bau des Krankenhauses Lilienfeld auf eigenem Baugrund ermöglicht hatte, brachte das 20. Jahrhundert noch einmal Gefahren für den Bestand des Stiftes. Nicht nur, daß die Mönche unter den Nationalsozialisten ihren Wohntrakt der NSDAP zur Verfügung stellen mußten, das Stift wurde gegen Kriegsende bei Kampfhandlungen auch stark in Mitleidenschaft gezogen.

    Nach dem II. Weltkrieg wurde die Stiftskirche 1976 von Papst Paul VI. zur Basilika minor erhoben. Momentan obliegt dem Stift neben der Verwaltung des eigenen Hauses, das ab 1993 einer Außenrenovierung unterzogen wurde, auch die Betreuung von 19 Pfarren. Darüber hinaus konnte Lilienfeld an seine Vergangenheit als kulturelles und spirituelles Zenrum nahtlos anknüpfen. Dabei machte es sich sowohl mit der Landesausstellung ‚1000 Jahre Babenberger in Österreich’ als auch einer Reihe weiterer kultureller Veranstaltungen einen Namen. Mit der Ausstellung cisto zum 800-jährigen Bestehen der Klosters und der Sommerakademie Lilienfeld mit internationalen Meisterkursen für Musik hat sich dieses Engagement auch in den letzten Jahren fortgesetzt.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Der Bestand der Urkunden Lilienfelds ist wohl um einiges geschlossener erhalten als bei einer Reihe anderer österreichischer Klöster. Rund 1240 Urkunden sind es, die für die Zeit bis zum Tod Kaiser Friedrichs III. erhalten sind, ein großer Teil davon im Original. Der Umstand, daß das Stift vor umfangreichen Plünderungen und großen Bränden einigermaßen verschont blieb, hat das Seinige zu dieser günstigen Überlieferungslage beigetragen. Über die im Original vorhandenen Urkunden hinaus sind auch mehrere Träger einer umfassenderen Kopialüberlieferung vorhanden. Der älteste ist ein Lilienfelder Kopialbuch (ÖNB Cod. 13424), das in seinem Kern aus dem späten 13. Jh. stammt und bis zum Jahr 1277 reicht. Spätere Nachträge finden sich darin aber ebenso, so etwa auch vom barocken Lilienfelder Historiker P. Chrysostomus Hanthaler, der nicht zuletzt hier seine berühmten Fälschungen eintrug.

    Weiters sind Lilienfelder Kopialbücher aus dem 15. und 17. Jahrhundert vorhanden. Unter den Lilienfelder Urkunden findet sich auch eine Reihe von solchen Stücken, die auf den ersten Blick nichts mit Rechtsgeschäften haben, die das Stift selbst betreffen. Hier handelt es sich in nicht wenigen Fällen wohl um Urkunden, die entweder Rechtsvorgänge, an denen das Stift beteiligt war, vorbereiten sollten, oder um solche, die für das Kloster noch von Belang sein konnten, weil sie sich auf Güter oder Rechte bezogen, die an Lilienfeld vergeben wurden. Ebenso ist allerdings in den Blick zu nehmen, daß auch Urkunden bzw. Archivalien von klosterfremden Personen dort deponiert werden konnten. Der sicherlich herausragendste Fall davon ist die Übergabe wichtiger Archivalien, die der Marschall Hermann von Landenberg im Auftrag von König Albrecht I., seiner Gattin Elisabeth und und ihrem Sohn, Rudolf III., an Abt Albero und sein Stift im Jahr 1299 vornahm. Erst in den Jahren 1327 und 1337 hört man von einer Rückgabe einiger Urkunden.

    Eine ‚Bereicherung’ der besonderen Art erfuhr der Urkundenbestand Lilienfelds dann noch im 18. Jahrhundert, als der gerade ob seiner Fälschungen berühmt gewordene Verfasser der ‚Fasti Campililienses’, einer Stiftsgeschichte, der schon erwähnte P. Chrysostomus Hanthaler, eine Reihe von angeblichen Originalen fabrizierte und andernorts in seinem Sinne Einschübe bewerkstelligte. Besprochen hat diese Werke Hanthalers nicht zuletzt Michael Tangl im 19. Bd. der MIÖG.

    Das umfassendste Regestenwerk zu den Lilienfelder Urkunden stellen ‚Die Urkunden des Zisterzienserstiftes Lilienfeld – 1111-1892’ von Gerhard Winner dar, der diese Arbeit 1974 auf Wunsch Leo Santifallers im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte. Eine Edition der gesamten Urkunden steht bisher hingegen noch aus, ein Umstand, der die Bereitstellung der Urkunden in MonasteriuM besonders hilfreich erscheinen läßt.

  5. Benützte Editionen/Regestenwerke
  6. Die Urkunden des Zisterzienserstiftes Lilienfeld 1111-1892, in Regestenform berarbeitet von Gerhard WINNER (=Fontes Rerum Austriacarum II/81, Wien 1974)

  7. Zu Einleitung, Quellen- und Literaturverzeichnis
  8. hier

  9. Editionskritik
  10. Das dankenswert umfassende Regestenwerk Gerhard Winners ist nicht nur ein brauchbares Findbuch, das vor allem auch durch seinen Index den gezielten Zugriff auf die Urkunden bzw. ihren Inhalt ermöglicht, es bietet darüber hinaus auch zu den Stücken selbst eine Reihe wichtiger Informationen. So werden die Originale mit ihren äußeren Merkmalen in Bezug auf den Beschreibstoff, die Größe, Plica und Besiegelungsart beschrieben. Dazu werden die Siegel oft hinsichtlich ihrer Inhaber identifiziert und Siegelverluste angegeben. (Die genaue Beschreibung der Siegel unterließ Winner – laut eigenen Angaben, da allein schon der Erhaltungszustand mancher Siegel die Entfernung der Siegelhüllen verbot. MonasteriuM kann wohl auch hier einigermaßen abhelfen.)

    Ebenso werden von Winner Rückvermerke angegeben, sofern sie „inhaltliche Ergänzungen oder Erläuterungen bieten. Jene Vermerke, die sich nur auf ältere Archivordnungen beziehen, Buchstaben- und Ziffernsignaturen, wurden nicht aufgenommen.“

    Dazu werden auch Kopialüberlieferungen, Drucke oder Regesten zu den einzelnen Stücken ausgewiesen und die Regesten selbst beschreiben den Rechtsinhalt der Urkunden mehr als nur hinreichend.

    Was mit den Regesten Winners allerdings weniger in den Blick genommen werden kann, sind Fragestellungen, für die gerade die formelhaften Teile von Urkunden von Interesse sind. Dazu sind sie zu sehr auf Rechtsinhalte konzentriert. Schwierig für den Benutzer des virtuellen Archivs könnte es sich auch erweisen, daß die Termini, mit denen Winner die Urkundeninhalte beschreibt, durchaus wechseln können und demnach eine Suche nach Stichworten durchaus breiter angelegt werden muß.

    (http://www.ordensarchive.at)
Bearbeiter: Mag. Lukas Wolfinger, Email: lukas.wolfinger@monasterium.net