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Charter: Schlägl, Prämonstratenser (1204-1600) 1350
Signature: 1350
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1350 ca., Schlägl
Schlägl, um 1350: Das Fragment von drei alttschechischen Osterspielen in der Handschriftensammlung der Stiftsbibliothek bezeugt die sprachliche Vielfalt (deutsch, lateinisch, tschechisch) im mittelalterlichen Schlägl.
Source Regest: 
Pichler, Isfried H., Urkundenbuch des Stiftes Schlägl, Aigen i. M., 2003, Nr. 150, S. 156
 

orig.fragmentiert (2 Papierblätter)
Current repository
Stiftsbibliothek Schlägl (www.stift-schlaegl.at)

Material: Papier
Dimensions: 30 x 25 mm, gefaltet 30 x 10/13 mm.
    x
    Source Fulltext: Pichler, Isfried H., Urkundenbuch des Stiftes Schlägl, Aigen i. M., 2003, Nr. 150, S. 156-157
    Editions
    • Máchal (1908) 82-87 (fol. 1r-v; fol. 2r).
    • Máchal (1908) 92-97 (fol. 2v).
    Secondary Literature
    • Siehe "Anmerkungen" (aus Platzgründen)!

    Comment

    Buchdeckelfund aus 79 Cpl 86, von Gottfried Vielhaber 1887 freigelegt.

    Einleitung: Hier handelt es sich um keine eigentliche Urkunde, wohl aber um ein Dokument von großer kulturgeschichtlicher Bedeutung für Schlägl als mehrsprachiger Konvent; die drei Fragmente stammen von den weit verbreiteten Passions- und Osterspielen des Mittelalters. Es besteht eine deutliche Beziehung zum Innsbrucker, aber auch zum Melker Osterspiel. In Abhängigkeit von diesen Spielen entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein alttschechisches Osterspiel, das aber durch volkstümliche und satirische Elemente zu einer Art Posse verkommen ist: Ein satirisches Stück vom Quacksalber, bei dem sich Maria von Magdala Salben mit wundertätiger Wirkung holt. Durch seinen realistischen, stellenweise frivolen Volkscharakter und die derbe Situationskomik hat dieses Stück den liturgischen
    Charakter verloren. Es eignete sich deshalb nicht zur Aufführung in der Kirche, sondern wurde im Freien, vor der Kirche oder am Marktplatz aufgeführt (nach Alexander Buchner).

    Das Schlägler Fragment besteht aus zwei Blättern, deren Text bereits in kritischer Edition erschienen ist.

    Fol. 1r-v: Mastiçkár (Quacksalberspiel, Unguentarius): Es beginnt damit, daß der Helfer Rubin einen Mithelfer namens Pusterpalk engagiert. Nach einer Szene zwischen dem Salbenkrämer und Rubin kommt ein alter Jude, der in grotesker Weise über den Tod seines Sohnes wehklagt und den Salbenkrämer bittet, diesen wieder zum Leben zu erwecken. Dieser verspricht das, und nach weiteren Verhandlungen zwischen dem Meister und Rubin beginnen die beiden Helfer die Salben zu mischen. Der Salbenkrämer verkündet die Ankunft von Besuchern aus einem fernen Land. Dies bedeutet die Ankunft der drei Marien. Rubin preist die Salben dem Publikum auf dem Markt an, und das Bruchstück endet mit Pusterpalks Frage an Rubin, warum er die Salben so eifrig lobt und dabei lügt (nach Miroslav Tuçek).

    Typisch für den Mastiçkár ist die Sprachmischung; dem Tschechischen werden lateinische und deutsche Elemente beigement, z. B. Vers 78: "Rubiene, vo pistu kvest?" (Rubin, wo bist du gewesen?), ähnlich Vers 95: "Pustrbalku, vo pistu?" (Pusterbalk, wo bist du?). Es scheint, daß in Schlägl nach der Regierung von Ulrich I. (+ 1337) sich die Abhängigkeit von Mühlhausen auch darin zeigte, daß sich das tschechische Idiom im Stift und in der Umgebung breit machen konnte.

    Der Text des Spieles ist nicht vollständig erhalten; lediglich zwei Fragmente bringen
    diesen, eines in Prag im Staatsmuseum, mit 431 Versen, und vom Schlägler Fragment das Blatt 1 mit 196 Versen. Beide Teile wurden von Jarmila F. Veltruský in einer kritischen Edition herausgebracht: A sacred farce from medieval Bohemia Mastiçká®, by Jarmila F. Veltruský. Published by Horace H. Rackham School of Graduate Studies, The University of Michigan, Ann Arbor 1985. IX+396 Seiten. Schlägler Fragment, fol. 1, auf Seite 364-374 (Text in neutschechischer Schreibweise mit Übersetzung ins Amerikanische) und S. 215-230 (Kommentar).

    Fol. 2r: Fragment des Spiels von der lustigen Magdalene: Dieses Spiel ist nur in der
    Schlägler Sammlung erhalten und von Jan Hrabák (vgl. Lit.) bearbeitet worden. Zuerst
    wird das Drängen Luzifers in den Himmel und seine Zurückweisung durch den hl. Michael, dann Luzifers Aussendung der Teufel in die Welt (sie sollen Seelen holen), die Versuchung Magdalenas durch drei hübsche Jungen und zuletzt die Zureden Marthas, auf dem rechten Weg zu bleiben (nach Dr. Josef Vintr).

    Fol. 2v: Fragment eines alttschechischen Osterspiels. Es behandelt die Auferstehung Christi mit der Szene, wie die Ritter die Grabbewachung beraten, dann die Auferstehung schildern, die Rede des Apostels Petrus und die Antwort Christi an die Apostel (nach Dr. J. Vintr).

    Literatur: Winfried Baumann, Die Literatur des Mittelalters in Böhmen. München-Wien 1978, 136f. $$ Jan Máchal, Staroçeské skladby dramatické puvodu liturgického (Die alttschechischen Dramadichtungen liturgischer Herkunft). Prag 1908. $$ Jan Hrabák, Staroçeské drama (Das alttschechische Drama). Prag 1950. $$ Alexander Buchner, Opera v Praze. Praha: Panton 1985, 62f. $$ Miroslav Tuçek, Der Apotheker
    und die drei Marien. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 73 vom 29. März 1986, 66. $$ Verfasserlexikon 4 (1983) 400-403 (Innsbrucker Osterspiel) $$ Verfasserlexikon 6 (1987) 377f (Melker Osterspiel). $$ [Kritische Edition: Jarmila F. Veltruský, A sacred farce from medieval Bohemia Mastiçkár. Published by Horace H. Rackham School of Graduate Studies, The University of Michigan, Ann Arbor 1985. IX+396 Seiten. Schlägler Fragment, fol. 1, auf Seite 364-374 (Text in neutschechischer Schreibweise mit Übersetzung ins Amerikanische) und S. 215-230 (Kommentar).] $$ Univ.Prof. Dr. Josef Vintr, Brief vom 4. Sept. 1998 an den Verfasser. $$ Zu den österreichischen geistlichen Spielen dieser Zeit vgl. neuestens Fritz Peter Knapp, Die Literatur des Spätmittelalters (1273-1439), Graz 1999, 298-305 (allerdings ohne Hinweis auf Böhmen und seine grenzübergreifende Kultur)


    LanguageLatein, Deutsch, Tschechisch
    Places
    • Schlägl
       
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