Charter: Urkunden I C 1
Signature: I C 1
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1338 Mai 2
Burkard (Burchardus), Notar (notarius) des Grafen Heinrich (III.) von Rieneck, und Konrad von Wildenstein,1 Edelknecht (armiger), stiften eine Frühmessvikarie (vicariam quoad primam missam in orto diei habenda et dicendam) in der Pfarrkirche in Lohr (Lare). Walther (Waltherus), Kustos der Aschaffenburger Kirche,2 wird einen geeigneten Kleriker auf diese Stelle präsentieren und einsetzen. Nach dem Tod Walthers soll das Präsentationsrecht der Vikarie dem Rektor der Pfarrkirche zu Lohr zustehen. Der Vikar soll an allen Sonn- und Festtagen und an Tagen von Beerdigungen eine erste Messe bei Tagesanbruch lesen; wenn er nicht da ist, soll er für Ersatz sorgen. Nach einem Hochamt zum Begräbnis soll er eine zweite Seelenmesse lesen. Die Einkünfte darf er behalten. Er muss auch dem Pfarrer (plebanus) in Lohr bei allen gottesdienstlichen Angelegenheiten helfen. Sooft er die Frühmesse nicht hält, soll er einen Schilling Pfennige Würzburger Währung an das Vermögen der Lohrer Kirche (fabricam ecclesie parochialis) zahlen, zu übergeben an den Rektor oder die Kirchenmeister (magistros fabrice). Damit diese Strafleistung sichergestellt wird, können ihn die Aschaffenburger Richter (judices ecclesie Aschaffenburgensis) suspendieren und exkommunizieren. Zur Zeit der Prozessionen (tempore rogacionum deportacioni reliquiarum) soll er dem Pfarrer beistehen. Weitere hier nicht genannte gegenseitige Verpflichtungen bestehen nicht. Folgende Güter werden an die Frühmesse gegeben: Erstens in der Mark des Dorfes Karlburg 4 ½ Joch Weinberge, 2 (!) Joch davon an dem Hellersberge, die an die Weinberge des rieneckischen Notars Burkard angrenzen, und 2 Joch gelegen am Berg genannt Thennesberg,3 genannt der krumewingarte. Dazu in Grünfeld4 die Wiese genannt Langenbergers, die jährlich auf Martini 1 ℔ Heller zahlt und die Korner von Karlstadt besitzt. Dazu in Wiesenfeld des Gyselers genannt Gut, das jährlich auf Martini 10 Schillinge Heller und 1 Fastnachtshuhn und 1 Sommerhuhn gibt. Dazu das Gut von Gerlach genannt Freudenricher und das des Obelheinrich, die jährlich [einen] Malter Roggen und Hafer auf Bartholomäus und 10 Schillinge Heller auf Martini zahlen, 6 Käse oder 2 Schillinge Heller und für 6 Pfennige Weißbrot auf Weihnachten, 1 Fastnachts- und 1 Sommerhuhn und auf Ostern 1 Lammsbauch (corpus agni) oder 2 Schillinge Heller. Weiterhin gibt Cunradus carnifex de Lare5 von zwei Joch Weinbergen, gelegen in der Mark des Dorfes Erlabrunn,6 10 Schillinge Heller jährlich auf Martini, die angrenzen an die Weinberge Berneres de Lare armigeri und gelegen sind am Berg genannt ame Rode. Der oben genannte Konrad von Wildenstein gibt jährlich von 10 Joch Äckern (agrorum terre arabilis), gelegen in der Mark der Stadt Lohr (opidi Lare), die zu einem Teil angrenzen an den Weg, der nach Wildenstein geht, und am anderen Teil an die Äcker des Gottfried von Rodenbach.7 Außerdem gibt Heinrich Godebolt jährlich 3 Sum(m)er (sumerina) Roggen von 5 Joch Äckern gelegen in der Mark der Stadt Lohr im Feld genannt Sandfeld (Santfelt), die angrenzen an die Äcker des Konrad von Wildenstein. Außerdem gibt der genannt Bechsteyn 10 Schillinge Heller jährlich auf Martini von einer Wiese in Lohr, gelegen am Ort der genannt wird Wörthwiese (in dem Werde). Weiterhin gibt Cunradus Fůncke von Rodenbach jährlich 1 Malter Roggen von zwei Äckern, einer gelegen über dem Dorf Rodenbach, anstoßend an die Äcker genannt die Rode, und der andere unterhalb des Dorfes, anstoßend an den Acker genannt Zventzigphenninge. Weiterhin gibt Adelheid (Alheidis) von Sackenbach (Sackenbach) von einem Acker in der Gemarkung Lohr, etwa bei der steinernen Brücke (circa lapideam pontem),8 auf der einen Seite anstoßend an die Äcker Graf Gerhards von Rieneck und an der anderen Seite an die von Konrad genannt Streckefuz, jährlich auf Martini 20 Pfennige. Es gibt Jutha Körsenerin von einem Acker, gelegen im Lindig (in dem Lyndehes), oben und unten an die Äcker des Grafen Gerhard anstoßend, 2 Schillinge Heller jährlich auf Martini. Der Hof in Grünsfeldhausen (Hausen), den Konrad genannt Rüdiger (Rudeger) bewirtschaftet9 und den vorher der Ritter (miles) Kotzelin hatte, gibt jährlich zur Erntezeit 16 Malter Roggen. – Zur Einrichtung der Vikarie wird der Konsens der Grafen Heinrich (III.) und Gerhard (V.) von Rieneck als Patronatsherren und von Johann, Rektor der Kirche, gegeben. Deren Siegel werden mit denen der Stifter angehängt, dazu das Siegel der Aschaffenburger Richter. Datum et actum anno Domini millesimo tricentesimo tricesimo octavo, in crastino beatorum Philippi et Jacobi Apostolorum.Source Regest:
Quellen und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Lohr am Main bis zum Jahr 1559, hg. v. d. Stadt Lohr a.Main, Lohr 2011
Quellen und Erläuterungen zur Geschichte der Stadt Lohr am Main bis zum Jahr 1559, hg. v. d. Stadt Lohr a.Main, Lohr 2011
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SALI C 1
SALI C 1
S 1: Judices, stark beschädigt; entspricht dem Siegel der Stiftsrichter von 1339, UB Aschaffenburg Tafel II. S 2: Heinrich von Rieneck; S 3: Gerhard von Rieneck; S 4: Johann10; S 5: Burkard







Editions:
- Würdtwein, Diocesis 1, S. 820 Nr. VIII
- Höfling S. 45 (beide Drucke nicht zuverlässig).
abstracts:
- Reg. Rieneck S. 240
- Fath S. 193 Nr. 153.
Notes:
1Ein Konrad von Wildenstein wird, in einer rieneckischen Urkunde, 1290 Februar 19 erstmals genannt (StAWt-R, US 1290 Febr. 19). Das häufig in Lohr anzutreffende Geschlecht (vgl. auch Wildensteiner Weg 1314 und Regest 1323 März 8) trägt den Namen von der rieneckischen Burg Wildenstein bei Eschau.
2Walther von Hersfeld, Kustos des Aschaffenburger Stifts; vgl. Fath S. 97 f.
3Tannerberg westl. Karlburg. Auch genannt in Lehenbuch I S. 39 Nr. 82, dort fälschlich mit Oehnertsberg Gem. Eußenheim gleichgesetzt.
4Wüstung bei Urspringen; Rückert, Landesausbau S. 186.
5Carnifex = Metzger, hier wohl Berufsbezeichnung, nicht Nachname.
6Erlabrunn ist weitgehend rieneckischer Besitz.
7Menge der Abgaben nicht genannt. Gemeint ist wohl der Zehnt.
8Wohl die Brücke über die Lohr außerhalb der Stadt.
9Vgl. Urkunde 1345 März 5, wo der gleiche Pächter genannt wird und Hausen eindeutig als Grünsfeldhausen, nicht Hausen bei Steinfeld, benannt wird.
10Das Siegelbild zeigt den reitenden St. Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Dies ist der erste Beleg für das Martinspatrozinium der Lohrer Kirche. – In Grünsfeld wird eine Frühmesse auf den St. Leonhard-Altar durch den dortigen Pfarrer 1320 gestiftet (GLAK, 229/36137, fol. 22 ff.; Weiß S. 450). – Die fabrica ecclesie parochialis ist nicht die Bauhütte (so Ruf A., St. Michael S. 14), sondern die Vermögensverwaltung. Für Gemünden werden die Kirchenverwalter 1316 März 6 operarii Ecclesie genannt (StAW, WU 6382; Höfling, Gemünden S. 137 Nr. 8). – Die Urkunde ist auch der erste erhaltene Beleg für Sackenbach. Ein Heroldus Sackenbach zu Langenprozelten erscheint 1317 Juni 17 (StAW, MU 497; UB Aschaffenburg S. 498 Nr. 244).
Lohr, Stadtarchiv, Urkunden I C 1, in: Monasterium.net, URL <https://www.monasterium.net/mom/DE-StaALohr/Urkunden/I_C_1/charter>, accessed 2025-04-04+02:00
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