Charter: Urkunden (1158-1702) 1328 V 12
Signature: 1328 V 12
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1328 Mai 12, Avignon
Bischofssammelindulgenz für die St. Pankraz-Kapelle zu Wien (Burgkapelle) mit Bestätigung von Seite des Diözesanbischofs Albert von Passau.Source Regest:
HAUSWIRTH, Schotten (=FRA II/18, 1859) S. 181, Nr. 158
HAUSWIRTH, Schotten (=FRA II/18, 1859) S. 181, Nr. 158
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Stiftsarchiv Schotten Wien (http://www.schottenstift.at)
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5 Siegel, die übrigen fehlen
Material: Pergament
Kunsthistorische Beschreibung: Initiale U(niversis) zu Text-beginn und drei weitere vergrößerte Initialen in der ersten Zeile (die erste mit bärtigem Gesicht im Binnenfeld, die zweite mit floralen Motiven, die dritte mit zwei Fischen) sowie zwei einzeilige Initialen im Textblock. Fünf Zeilen hohe histori-sierte Initiale zu Textbeginn: in Feder vorgezeichnet und Hintergrundflächen mit deckendem Rot, Grün und hellem Ocker ausgemalt (kolorierte Federzeichnung). Im Binnenfeld vor farbig gemaltem Grund eine ausgesparte Blattran-ke, der obere Teil der Fläche mit einem Mischwesen (Drachenkörper und weiblicher [?] Kopf) gefüllt. Der Buchstabenkörper rechts ornamental gestaltet, oben ein Rosettenmotiv unten drei Arkaden, links mit Quadratrauten und einem zentralen Medaillon mit frontalem Christuskopf. Sammelablässe mit figürlichem Buchschmuck treten ab 1323 (1322?) auf. Zuerst einfache historisierte Initialen mit tintenfarbigen, in Folge auch farbige Vera Ikon-Darstellungen im Binnenfeld, dann Christusbü-sten (ab spätestens 1328) und ab 1329 auch Marien- und Heiligendarstellungen. Die Ausstattung dieses Bischofssammelablasses steht zwischen der Produktion zweier Werkstätten. Die frühere ist derzeit von 1326–1328 nachweisbar (vgl. das unfertige Stück für Heiligenkreuz von 1328-04-10). Der rechte Buchstabenschaft zeigt ebenfalls Rosetten und Arkaden, wobei die sonst übliche Kolorierung unterblieb. Der Duktus ist spröder, vielleicht hat im hier besprochenen Stück ein Nachfolger sich an diese Motive seines Vorgängers angeschlossen. Die Binnenfeldfüllung und die Gestaltung der weiteren Initialen der ersten Zeile entsprechen dem Usus einer Werkstätte, die ab 1328 nachweisbar ist (zu dieser vgl. O. Homburger, Ch. von Steiger, Zwei illuminierte Avignoneser Ablassbriefe in Bern, in: Zeitschrift für Schweizer Archäologie und Kunstgeschichte 17 (1957), 134–158. Für deren frühe Werkstattproduktion sind florale (selten zoomorphe) Aussparungen vor farbigem Grund typisch, wobei Rot und Grün dominieren. Diese Motive, die hier das Binnenfeld füllen, werden dann für die Gestaltung der Buchstabenschäfte verwendet, weil man dazu übergeht, das zentrale Bin-nenfeld der Darstellung einer segnenden Christus-büste zu widmen. Später treten weitere figürliche Motive auf und zunehmend werden die ausgesparten Blattranken auch aus den Buchstabenschäften verdrängt (zu diesen Stücken siehe z. B. Wien, Deutscher Orden, Archiv, 1562 von 1330-04-06). Dies stellt ein für die Fleuronnée-Initialen von Handschriften sehr charakteristisches Motiv dar, dessen Ursprünge sicher nicht in Avignon, sondern in der Entwicklung Mitteleuropas (Oberrhein bis Österreich, Rheinlande, Schlesien) zu suchen sind. In den späten 1320er Jahren stellen Aussparungen floraler und zoomorpher Motive eine ganz moderne Stilinnovation dar. Das ausgesparte Mischwe-sen, das in unserem Stück so prominent plaziert ist, ist für die ersten beiden Produktionsjahre kennzeich-nend; man vergleiche Ab-laßbriefe für Lüttich (1328-06-07; Homburger–Steiger, Abb. 5), Ailingen (1329-08-24, ebendort, Abb. 6) bzw. Königsfelden (1329-09-06, ebendort, Abb. 3) und kommt später nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr vor. Die Christusbüste im Medaillon des linken Buchstabenschaftes überragt die anderen Produkte der Werkstatt qualitativ deutlich; die Augenhöhlen sind fein abschattiert, Bart und Haupthaar sind malerisch durchgeformt und nicht bloß gezeichnet oder angemalt. Als Motiv wurde weder der Vera Ikon-Typus der Vorgängerwerkstatt noch die segnende Christusbüste der Nachfolger verwendet, sondern wiederum ein in der Mitte stehende Gestaltung: ein von den Zwängen des Vera Ikon-Typs befreiter fronta-ler Christuskopf, jedoch noch nicht erweitert um die Hände, die in der Nachfolgewerkstatt einerseits die Nagelwunde präsentieren und andererseits segnet. Noch eine Besonderheit: Die Initiale ist von profes-sionell gezeichnetem rotem Fleuronnée umgeben. Der Florator kennt, so bescheiden sein Anteil ist, alle formalen Möglichkeiten dieses Metiers. Bemerkenswert ist, daß ein professioneller, sicher aus Mitteleuropa stammender, qualitativ hochstehender Fleuronnée-Zeichner, sich doch an Usancen der schon mehrfach genannten Vorgängerwerkstatt anpaßt. Die hakennasige, böse blickende Profilmaske, die links zwischen der Wölbung des Buchstabenkörpers und der Abdecklinie eingeklemmt ist, einspricht ganz einfachen Vorgängern der älteren Urkunden. (Martin Roland, ÖAW, Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters)
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Uniuersis sancte matris ecclesie filiis, ad quos presentes littere peruenerint, nos miseracione diuina Johannes Ameliensis episcopus, Rodolphus Sirignensis episcopus, Madius Vemitensis episcopus, Jordanus Acernensis episcopus, Johannes Birniastensis episcopus, Melecius Gallipolitani episcopus, Bonifacius Sulcitansis episcopus, Guillielmus Tergestinensis episcopus, Antonius Sagonensis episcopus, Johannes ciuitatis Roderi episcopus salutem in domino sempiternam. Pia mater ecclesia de animarum salute solicita deuocionem fidelium per quedam munera spiritualia, remissiones videlicet et indulgencias, inuitare consueuit ad debitum famulatus honorem deo et sacris edibus impendendum, vt, quanto crebrius et deuocius illuc confluit populus christianus, assiduis saluatoris graciam precibus implorando, tanto delictorum suorum veniam et gloriam regni celestis consequi mereatur eternam. Cupientes igitur, vt capella sancti Pancracii martiris situata in villa Wienne Patauiensis diocesis congruis honoribus frequentetur et a Christi fidelibus iugiter veneretur, omnibus vere penitentibus et confessis, qui ad dictam capellam in festo sancti Pancracii antedicti et in dedicacione eiusdem capelle et in aliis festis infrascriptis, videlicet natalis domini, circumcisionis, epiphanie, parasceues, pasche, ascensionis, pentecostes, corporis Christi, inuencionis et exaltacionis sancte crucis, in omnibus et singulis festis beate Marie virginis, natiuitatis et decollacionis beati Johannis baptiste, beatorum Petri et Pauli apostolorum et omnium aliorum sanctorum apostolorum et euangelistarum, sancti Michaelis archangeli, sanctorum Stephani, Laurencii, Clementis, Georgii, Vincencii ac Pantaleonis martirum, sanctorum Martini, Nicholai, Augustini et Geruasii confessorum, beatarum Marie Magdalene, Katerine, Margarete, Lucie, Barbare, Gertrudis et vndecim millium virginum, in commemoracione omnium sanctorum et animarum et per octauas dictarum festiuitatum octauas habencium causa deuocionis, oracionis aut peregrinacionis accesserint, sev qui missis, predicacionibus, matutinis, uesperis aut aliis quibuscumque diuinis officiis ibidem interfuerint, nec non, qui ad fabricam, luminaria, ornamenta aut queuis alia dicte capelle necessaria manus porrexerint adiutrices, vel qui in eorum testamentis aut extra aurum, argentum, uestimentum aut aliqua alia caritatiua subsidia dicte capelle donauerint, legauerint aut donari uel legari procurauerint, quocienscumque premissa uel aliquid premissorum deuote fecerint, de omnipotentis dei misericordia et beatorum Petri et Pauli apostolorum eius auctoritate confisi singuli nostrum quadraginta dies indulgenciarum de iniunctis eis penitenciis misericorditer in domino relaxamus, dummodo diocesani uoluntas ad id accesserit et consensus. In cuius rei testimonium presentes litteras sigillorum nostrorum iussimus appensione muniri. Datum Auinione XII. die mensis Maii anno domini MCCCXXVIII. et pontificatus domini Johannis pape XXII. anno duodecimo. Nos quoque Albertus dei gratia Patauiensis episcopus dictas indulgencias, quantum de iure possumus, ratas et gratas habemus, confirmantes eas patrocinio huius scripti. Datum Wienne anno domini Mo. CCCo. XXVIIIo. Idus Nouembris.
Source Fulltext: HAUSWIRTH, Schotten (=FRA II/18, 1859) S. 181-182
Original dating clause: Idus Nouembris
Comment
Bei der genannten Kapelle handelt es sich um die Pancratius-Kapelle der Wiener Hofburg, wie ein weiterer Ablaß bestätigt (1335-03-22; ebenfalls im Stiftsarchiv der Schotten). Das Bild stimmt nicht mit dem Regest überein. Das korrekte Bild derzeit irrig als http://lehre.hki.uni-koeln.de/monasterium/pics/132/K.._MOM-Bilddateien._~Schottenjpgweb._~StAS__13281101.jpg bezeichnet.Language:
Places
- Avignon (Frankreich, Vaucluse)
Persons
- Albert von Sachsen, Bischof von Passau (1320-1342)
Schottenabtei, Stiftsarchiv, Urkunden (1158-1702) 1328 V 12, in: Monasterium.net, URL <https://www.monasterium.net/mom/AT-StiAScho/SchottenOSB/1328_V_12/charter>, accessed 2025-02-28+01:00
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